Meine persönlichen Eindrücke aus Jordanien, die Situation vor Ort und die Chance wirksam zu helfen.

Meine persönlichen Eindrücke aus Jordanien, die Situation vor Ort und die Chance wirksam zu helfen.

Liebe Freunde und Freundinnen von morethanshelters,

seit sieben Tagen bin ich wieder aus Jordanien zurück und noch immer überwältigt von den Eindrücken aus dem Flüchtlingslager Za’atari. Nur 15 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt kämpfen die Menschen und die Hilfsorganisationen unter dramatischen Umständen mit den Auswirkungen einer der größten Katastrophen unserer Zeit.

Es ist erschütternd zu erleben, wie so viele Menschen unter einem Krieg leiden, bei dem es nur Verlierer gibt. Einem Krieg, der immer weiter geht. Es entsteht so viel Trauer, Wut und Hilflosigkeit bei den Flüchtlingen, weil sie sich im Stich gelassen fühlen. Sie wollten eine positive Veränderung für die Zukunft ihrer Heimat und müssen jetzt zusehen, wie ihr Land immer mehr zerfällt. Die internationale Politik blockiert eine Lösung über die Vereinten Nationen und immer mehr radikalisierte Gruppen nutzen den Krieg für ihre Interessen.

Ich durfte im Flüchtlingslager aber auch hautnah erleben, wie Menschen in der größten Not nicht aufgeben, wie sie anpacken, Gemeinschaft entwickeln, improvisieren, arbeiten und zusammenhalten. Mehr als 100.000 Menschen in Zelten und Hütten in der Wüste, die versuchen aktiv etwas Zukunft zu bauen. Es gibt Behelfsschulen, kleine zusammengezimmerte Läden, Gemeinderäte und Gemeinschaftsküchen. Die Bewohner verbessern mit kleinsten Mitteln ihre Notunterkünfte, damit sie den Sandstürmen und der Kälte jetzt im Winter etwas besser standhalten. Die internationalen Hilfsorganisationen sind Tag und Nacht vor Ort und versuchen die Situation zu verbessern. Aber trotz dieser kollektiven Anstrengung ist die Situation immer noch sehr schlimm.

Der „Bürgermeister“ dieses unwirtlichen Ortes heisst Killian Kleinschmidt. Für mich ein wahrer Held. Er hat die schier unlösbare Aufgabe, für die UNHCR (Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen) diesen Ort zu managen. Er hatte diese Aufgabe schon in vielen anderen Lagern der Welt, doch hier ist die Dimension der Aufgabe eine völlig neue. Ich konnte Killian Kleinschmidt über unsere Freunde vom THW kennenlernen und wollte mit ihm unser Hilfsprojekt besprechen. Aus einer kurzen Begegnung wurden dann mehrere Stunden. Und in diesen Stunden enstanden Ideen, Visionen und eine spontane Einladung: ich sollte mit dem Stadtplaner der Stadt Amsterdam einen einwöchigen Workshop zur Zukunft des Lagers Za’atari leiten.

Denn eines ist sicher: dieses Lager wird lange bestehen bleiben, wie die meisten Flüchtlingslager unserer Zeit. Aus Not- und Soforthilfe wird immer öfter ein dauerhafter Zustand. Durchschnittlich mitlerweile für 17 Jahre. Aus einem Lager wird eine Siedlung und somit ein komplexer Lebensraum. Es gibt aber noch keine innovativen Produkte, Ideen und Verfahren, die einen solchen Ort in dieser Transformation auch menschenwürdig gestalten. Eine komplette Generation eines Landes wächst im Exil auf. So werden aus solchen langfristigen Lagern Stätten der Krankheit, des Zorns und der Lethargie. Das möchte Killian Kleinschmidt ändern. Und morethanshelters auch!

Ich habe spontan meine Reisepläne geändert und wir haben eine Woche intensiv an der Zukunft des Lagers gearbeitet: Hans, der Stadtplaner aus Amsterdam, alle Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisationen, Flüchtlinge, jordanische Politiker, Killian, sein Team und ich. Herausgekommen sind erste wichtige Ideen und Konzepte für einen flexiblen Masterplan und sehr sinnvolle Einsatzoptionen für unsere DOMOs. Ein Ergebnis ist aber auch, dass wir darüber hinaus miteinander weiter arbeiten werden. Schon vor Ort und auch innerhalb der letzten Tage haben wir deshalb unsere Visionen in eine konkrete Form überführt. Mit Hilfe des ganzen morethanshelters Teams haben wir ein Konzeptpapier zu einer “on-site innovation and planning agency” für das Lager Za’atari geschrieben.

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Wir planen eine Struktur zu etablieren, die in der Lage ist, völlig neue Lösungen für die dringendsten Probleme vor Ort – mit den betroffenen Menschen – zu entwickeln, zu erproben und umzusetzen, um dadurch auch positive mittel- und langfristige Perspektiven zu schaffen. Es entsteht also gerade etwas wirklich Fantastisches und ich bin unglaublich froh darüber, dass diese Reise schon so viel bewirkt hat und wir noch viel direkter unsere Kreativität einsetzen dürfen für die Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind.

Nur mit Eurer Hilfe konnten wir das alles erreichen. Einen Riesen-Dank auf diesem Weg hier heute. Lasst uns weiterhin versuchen, möglichst viele Menschen zu erreichen. Unterstützt das Projekt, damit wir unseren Teil leisten können, dass diese Generation aus Syrien eine Chance auf eine Zukunft hat.

Jede Spende, die heute eingeht, hilft uns unsere Bewegung zu stärken.

Vielen Dank und herzliche Grüße,

Daniel Kerber

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