Ein Nachruf über Isabelle Poncette

Isabelle Poncette: Ein Nachruf über unsere Kollegin und Freundin Unsere liebe Kollegin und Freundin Isabelle Poncette ist am 25.07.2016 bei einem tragischen Verkehrsunfall in Jordanien ums Leben gekommen. Sie war dort im Auftrag von morethanshelters (MTS), um Projekte in deren erster Phase zu implementieren, zu recherchieren und vor Ort zu analysieren in welchen Schritten die weitere Umsetzung sinnvoll erfolgen kann – sie sprach mit Partnern, Interessenten und Betroffenen. Sie begeisterte sich für die lokale Kultur, die Menschen, das Land und den für uns hierzulande als manchmal chaotisch empfundenen Verhandlungs- und Kommunikationsstil. Mit Worten können wir kaum ausdrücken, was wir empfinden. Mit Isabelle verlieren wir einen einzigartigen Menschen, der sich feinfühlig und offen für eine bessere und gerechtere Welt eingesetzt hat. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei ihrer Familie und ihren Freunden. Isabelle, 2014, Zaatari, Jordanien Isabelle Poncette wurde 1988 in Essen geboren. Nach ihrem Abitur schloss sie ihr Bachelor-Studium in Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien ab. Wissbegierig und aufgeschlossen sammelte Isabelle als Praktikantin und Freiwillige reichlich Auslandserfahrungen in Südamerika und Afrika. So lernte sie viel über fremde Kulturen und beschäftigte sich bereits in diesem Rahmen mit Themen der internationalen Beziehungen und Entwicklungszusammenarbeit. In Kopenhagen absolvierte Isabelle ihr Master-Studium in “Applied Cultural Analysis” – eine Stadt, in die sie immer wieder gern zurückkehrte. Passend zu ihrer späteren Arbeit bei morethanshelters lautete das Thema ihrer Masterarbeit: „Unsettled: A Cultural Analysis of Zaatari Refugee Camp“ (Analyse der Beziehung zwischen humanitären Organisationen und Geflüchteten). Der Fokus der Arbeit lag auf der Gestaltung von sozialen Beziehungen und der Entwicklung erfolgreicher Partizipationsprozesse. Seit Anfang 2014 war Isabelle für morethanshelters tätig. Sie begann...

Obituary for Isabelle Poncette

Isabelle Poncette: An obituary for our colleague and friend Our dear colleague and friend Isabelle Poncette lost her life on Monday, 25th of June 2016 in a tragic road accident in Jordan. Isabelle travelled to Jordan on behalf of morethanshelters, to implement the first phases of future projects in refugee camps and to analyse their further implementation – together with partners. She was enthusiastic about the local culture and its chaotic negotiation and communication style. Words cannot express how we feel. We are losing a unique personality, who committed herself for a better and fairer world. Our thoughts and deepest sympathy are with her family and friends. Isabelle, 2014, Zataari, Jordan   Isabelle Poncette was born in 1988 in Essen, Germany. After her highschool graduation, she completed her Bachelor studies in cultural – and social anthropology at Vienna University. With her eagerness to learn and her open mind, she gained abroad experience in South America and Africa as a volunteer and intern. She learned about foreign cultures and got closer into topics in the field of international relations and development cooperations. In Copenhagen, Isabelle successfully completed her masters studies in “applied cultural analysis”. Matching her future work for morethanshelters, the topic of her master thesis was as follows: „Unsettled: A Cultural Analysis of Zaatari Refugee Camp“. The focus of her work was on the organization of social relations and the development of successful participatory processes. Her work for morethanshelters began early 2014. She started in the course of her master thesis and became a full-time and integral part of the MTS team. Her key tasks included the development, design...
Rückblick aus Griechenland

Rückblick aus Griechenland

„Als ich Ende März das erste Mal das Camp Idomeni besucht habe, war über die menschenunwürdigen Zustände vor Ort überall in den Medien zu lesen und zu hören. Fast jedem war Idomeni ein Begriff, man konnte sich also schon annähernd vorstellen, was einen erwartet. In ganz Europa berichteten die Medien über die Situation im Camp und die vielen Ausschreitungen an der Grenze, wo Tränengas, Gummigeschosse, Wasserwerfer weder vor Familien, Kindern oder Helfern haltgemacht haben. (Berichte von meinen ersten Erfahrungen aus Idomeni sind hier nachzulesen: http://thegoodsouls.net/mari-wahdat/ ; http://www.morethanshelters.org/de/gedanken-aus-idomeni/) Ende Mai wurden Idomeni und die anderen, wilden Camps nach langer Ankündigung geräumt. Die Berichterstattung erübrigte sich auf einen kleinen Artikel hier oder einen Bericht da. Doch unter welchen Umständen die Räumung passierte, wo die Tausenden Menschen hingebracht wurden oder wie die Zustände in den offiziellen Camps sind, erhält nun wesentlich weniger Aufmerksamkeit. Das Chaos-Camp in Europa wurde geräumt und somit verschwand auch das Interesse der Außenwelt. Doch was wir nicht vergessen dürfen: Alleine in Griechenland sind derzeit über 50.000 Geflüchtete untergebracht, teilweise in Camps die menschenverachtender nicht sein könnten. Es gibt über 60 offizielle Camps in Griechenland, beispielsweise in: Alten Fabrikgebäuden, die einsturzgefährdet wirken oder mit Asbest verseucht sind; auf Militärgeländen, wo es keinen Schutz vor der heißen Sonne gibt oder Camps mitten in den Bergen, fernab von jeglicher Zivilisation. Die Situation in den Camps hängt von der jeweiligen Campleitung ab und kann sich täglich ändern. Für die freiwilligen Helfer und Organisationen ist es ein schwieriger Prozess innerhalb der Camps Hilfe zu leisten. Viele internationale Organisationen kooperieren jedoch mittlerweile mit dem Militär, um gemeinsam zu versuchen das Leben für die dort ausharrenden Menschen...
Gedanken aus Idomeni

Gedanken aus Idomeni

Idomeni – Griechenland, April 2016. „Ende März bin ich nach Idomeni gereist, um den Aufbau unserer morethanshelters-DOMOs zu begleiten und um den Menschen vor Ort zu helfen. Noch vor zwei Wochen habe ich diese Menschen „Geflüchtete“ genannt. Wenn ich jetzt das Wort Flüchtling oder Geflüchtete höre, fühle ich mich schlecht. In den letzten 14 Tagen habe ich unzählige Schicksale und Menschen kennengelernt, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Ob Kinder, Familien oder Alleinreisende – es sind Menschen, die einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Nun sitzen sie fest, seit Monaten unter unmenschlichen Bedingungen in einem „Flüchtlingscamp“, in dem es an allem mangelt. Was muss das für ein Gefühl sein? Gezwungen zu sein Haus, Job, Leben und Heimat hinter sich zu lassen, sich auf eine lebensgefährliche Flucht aufzumachen, nur um dann für Monate in einem Camp festzusitzen, das menschenunwürdiger nicht sein könnte? Nach drei Wochen kennt man viele Menschen mit Namen, man weiß, woher sie kommen, welche Berufe sie eigentlich ausüben. Jeden Tag fragen sie mich nach Neuigkeiten, jeden Tag muss ich antworten: Keine Neuigkeiten, die Grenzen werden nicht geöffnet. Trotzdem bleiben sie freundlich, sie laden uns täglich auf Tee und Kekse ein. Sie sind uns freiwilligen Helfern und Hilfsorganisationen sehr dankbar, das zeigen sie uns jeden Tag aufs Neue. Ich habe mich, unter anderem, „Team Bananas“ angeschlossen, die jeden Morgen über 4.500 Bananen an Kinder, Schwangere und ältere Leute verteilen. Hierdurch lernen wir viele Familien besser kennen und sie uns. Es entstehen viele Gespräche und Beziehungen zu den Menschen. Vor einigen Tagen haben unbekannte Aktivisten ein Flugblatt verteilt: Die Grenzen würden sich am nächsten Tag öffnen,...
Trauma Verarbeitung für geflüchtete Kinder

Trauma Verarbeitung für geflüchtete Kinder

Liebe Freunde und Mitstreiter, wir wünschen euch ein frohes und vor allem gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2016! Viele neue Projekte sind in Planung und wir freuen uns auf spannende Aufgaben in Deutschland und weltweit. In der Hamburger Flüchtingsunterkunft in der Schnackenburgallee stehen neun DOMOs, die den bis zu 3000 Bewohnern der Unterkunft einen Rückzugsort ermöglichen. Im Dezember berichteten wir bereits über die DOMOs, die als Teestube und Gemeinschaftsräume für die männlichen Bewohner im Einsatz stehen. Neben den fünf Teestuben DOMOs gibt es vier weitere DOMOs für Frauen und Kinder. Zwei davon kommen den Frauen der Flüchtlingsunterkunft zugute und die anderen zwei den dort lebenden Kindern. Passend zu unserem Anliegen, soziale Schutzräume zu ermöglichen, bietet der gemeinnützige Verein „stART international“ ein regelmäßiges Stabilisierungsprogramm in den zwei Kinder – DOMOs an. Die Kinder haben während und nach ihrer Flucht Unfassbares erlebt und brauchen Unterstützung um diese Erlebnisse zu verarbeiten. Das Team von stART -international arbeitet seit acht Jahren im Ausland mit kreativ-künstlerischen Mitteln im Bereich der „Pädagogisch-traumatherapeutischen Nothilfe“. Der Verein versucht in Krisengebieten überall dort aktiv zu sein, wo bedürftige Kinder sich aufhalten, so zum Beispiel in Nepal, Syrien, Haiti, Libyen oder im Libanon.

Aufgrund der Flüchtlingssituation in Deutschland, ist stART- international seit 2014 auch hierzulande in diversen Flüchtlingsunterkünften aktiv. In der Schnackenburgallee arbeitet das Trauma – Team seit Oktober 2015 an mehreren Tagen in der Woche in unseren DOMOs.

Weitere Infos dazu gibt es hier: http://www.start-international.org/index.php?id=44&lang=de Wir freuen uns sehr, dass wir den Kindern einen gesicherten Platz geben können, um ihr Trauma zu verarbeiten. Bis bald und herzliche Grüße, euer MORE THAN SHELTERS –...